Hochwertige Proteine und Fette aus Lebensmittelabfall generieren

Sind Lebensmittel erst verdorben, sind sie für den menschliche Nahrungsaufnahme nicht mehr geeignet. Andere Lebewesen, wie z.B. die schwarze Soldatenfliege, können aus diesen Abfällen, sogar aus Fäkalien, wieder Nahrung generieren.

Die schwarze Soldatenfliege eignet sich besonders hierfür:

  • sie frisst nur im Larvenstadium

  • im erwachsenen Stadium nimmt sie keine Nahrung mehr auf, hat keine Mundwerkzeuge und keine Verdauungsorgane. Sie ernährt sich ausschließlich von ihren im Larvenstadium angefressenen Fettreserven. So kann sie keine Krankheiten übertragen, kann Menschen nicht beißen etc.

1. Aufzucht:

1.1. Paarung und Eiablage

  • zwei Tage nach dem die Fliegen geschlüpft sind, beginnt die Paarung

  • für die Paarung benötigt die schwarze Soldatenfliege eine durchschnittliche Sonnenlichtintensität von 110 μmol m² s¹ und ausreichend Platz für eine Paarung im Flug (geeignet sind z.B. quadratische Räume aus Mosikitonetzen)

  • etwa zwei Tage nach der Paarung kommt es zur Eiablage, bevorzugt in trockene Spalten/ Ritze. Optimal ist eine Temperatur zwischen 26- und 37,5 Grad und eine Luftfeuchte über 60%.

  • Ein Weibchen legt zwischen 600 und 1000 schlank- ovale Eier mit einer Länge von 1,3-1,4mm. Bei optimaler Temperatur schlüpfen die Junglarven nach 2-4 Tagen.

1.2. Larvenaufzucht

Nach dem Schlüpfen fangen die Junglarven sofort an sich stark zu bewegen und zu fressen. Die Larven können ligninreiche Nahrung nur schlecht verarbeiten und verdauen. Ansonsten essen sie alles, sind nicht wählerisch und können sogar aus Fäkalien als für sie natürliche Nahrungsquelle hochwertiges Fett und Protein erzeugen. Trockenes Mastsubstrat muss angefeuchtet (nicht nass gemacht) werden. Die Mastsubstrat- Reduktion legt während der Zuchtdauer bei ca. 35-40%. Die Stickstoffreduktion, z.B. bei Hühnerfäkalien, kann bis zu 80% betragen.

Die optimale Temperatur für die Larvenmast beträgt 23-35 Grad, von 10- 45 Grad sind die Larven aktiv, jedoch stellen sie unter 15 Grad das Fressen ein. Unter 10 Grad werden die Larven inaktiv und können ohne Nahrung bis zu mehrere Monate überleben. Um den Gefrierpunkt überleben die Larven nur wenige Stunden.

Die optimale Larvendichte pro cm² (zwischen 2-6 Larven) im Mastsubstrat kann über den pH- Gehalt des Mastsubstrates ermittelt werden. Liegt dieser zwischen 4-5 ist die Relation Futtermenge/ Larvendichte optimal. Ein höherer pH- Wert von bis zu 8 zeigt einen Futterüberschuss an. Larven benötigen pro Tag und Larve 200mg Futter

Die Mastdauer beträgt bei o.G. Eckdaten ca. 16-17 Tage bei einem Larvengewicht von ca. 45-60 mg/Larve. Bei Futtermengen unter 100mg/ Tag verlängert sich die Mastzeit auf bis zu 42 Tage.

1.3 Ernte und Verwendung

Sobald die ersten verpuppten Larven (Präpuppen)zu sehen sind ist die Mast beendet, die Larven können geerntet werden. Die Larven müssen nun aus dem Mastsubstrat herausgesiebt und gereinigt werden.

Zur Verwendung gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Verwendung als Lebendfutter

  • sicheres und humanes Töten durch Hitze ( 80 Grad im vorgeheizten Ofen in dünner Schicht auf z.B. ein Backblech legen). Nach kurzer Zeit sind die Larven tot.

  • Pasteurisieren (kann mit dem Töten verbunden werden)

  • Dampfsterilisation (bei 134 Grad und 60 Minuten werden sogar Prionen zuverlässig abgetötet)

  • ein Teil der Larven sollte für die Nachzucht verwendet werden.

Insekten stellen übrigens für Schweine, Geflügel und verschiedene Fischarten eine natürliche Futterquelle dar. Auch werden in vielen Kulturen Insekten für den menschlichen Verzehr gerne genommen.

Wir möchten diese Art der Protein- und Fettgewinnung aus Abfall in die Open Source MyFoodRescue.App aufnehmen. Wer mag kann gerne Erfahrungen oder weiteres Wissen zu diesem Thema beisteuern.

Gerne würden wir das Ganze in einem Open Source- Prototyp hier in Mittelhessen testen und eine Bauanleitung für die technische Infrastruktur zum einfachen Nachbauen erstellen. Wer hat Interesse mitzumachen?